Momentaufnahmen aus dem Zoo Berlin vom 12.03.24 – Teil 1

16.3.2025 von Anke B

Prolog

Vor fast genau einem Jahr habe ich die letzten Momentaufnahmen aus dem Berliner Zoo geschrieben. Die lange Pause erklärt sich, weil ich mit vielen Entwicklungen fremdele und den Zoo, wie er noch vor zehn Jahren war und in dem ich mich, bei aller Kritik, sehr wohl gefühlt habe, vermisse und traurig bin über viele Verluste, sowohl unter den von den Besuchern geliebten Tieren und den Pflegern, als auch bei altvertrauten Anlagen und Wegen.

Ich hatte gedacht, dass ich mich vielleicht daran gewöhnen könne und letztlich damit klarkomme, aber dem ist nicht so. Bevor ich meinen Bericht beginne, möchte ich mir einiges an Unbehagen von der Seele schreiben, was ich lange Zeit vermieden habe.

Uns wurde von der damals noch neuen und sehr willkommenen Zooleitung ein behutsamer Umbau des Zoos nach und nach und Transparenz über das Vorgehen versprochen. Der Tierbestand sollte zum Nutzen der verbleibenden Zootiere verringert werden und und die Anlagen schöner werden – wobei Optik nicht alles ist!

Baustelle vor dem Raubtierhaus

Baustelle vor dem Raubtierhaus am 12.03.25.jpg, II

Nach zehn Jahren fehlen mir leider viele, zu viele, ikonische Tiere: Eisbären, Kragenbären, Malaienbären, Spitzmaulnashörner, Kamele, Alpakas, Guanakos, Polar- und Steppenfüchse, Fossas, Ozelots, Rauchkatzen, Jaguarundis, Brüllaffen, Mandrills, Haubenlangure, Hornrabe Clyde, die Adler, Böhm Steppenzebras, Zwergesel Benni u.v.a. , (weitere, z.B. die Primaten, bis auf die Gorillas, sollen gerüchteweise folgen) und den restlichen, von denen zumal einzelne allein in ihrem Gehege sind (z.B. Löwin Amira, seit Jahren allein hinter den Kulissen oder seit neuestem Giraffenbulle Mugambi), geht es m.M.n. nicht besonders gut.

Mugambi  am 12.03.25

Viele Anlagen sind ganz verwaist und überall wuchert der invasive, blickdichte Bambus, der die hiesigen Sträucher und Gehölze verdrängt, im Sommer sehr viel Wasser schluckt und keinen Wert für die heimischen Singvögel hat. An vielen, seitdem errichteten, mehrere Meter hohen Glasscheiben um die Außenanlagen haben sich außerdem tausende von ihnen das Genick gebrochen, bevor die Scheiben mit bedruckter Folie beklebt wurden. Man sieht und hört sie heute kaum noch, bzw. „Nur die Harten kommen in den Garten“: Spatzen, Stare, Krähen, Fischreiher und Kormorane gibt es noch einige.

Baustelle

Aus all dem wurde ein Dauerschmerz, eine Wunde, die nicht heilen will…
Für mich hat der Zoo viel, vielleicht sogar sein Herz verloren. Die vielen Baustellen tun ihr Übriges. Vielen, die den Zoo schon vor zehn Jahren regelmäßig besucht und die Veränderungen miterlebt haben, geht es ähnlich. Es gibt natürlich auch die andere Seite, die das alles befürwortet, als Erfolg wertet und ihrerseits Gründe dafür angibt.

Hier beschreibe ich nur meine persönliche Sichtweise! Und noch (!) möchte ich auf meine Besuche im Zoo nicht verzichten. Soviel dazu…

Am Mittwoch haben Thomas und ich uns mittags auf den Weg gemacht und am Olivaer Platz einen Bus Richtung Zoologischer Garten bestiegen, wo wir gegen 12:30 den Eingang passierten.

Auf der Anlage der Elefantenkühe sahen wir Carla, Pang Pha und Anchali, die sich über die Fläche verteilt hatten und recht entspannt wirkten. Anchali beschäftigte sich mit einer Futterkugel aus Drahtgeflecht, in der sich Heu befand. Carla, die älteste Elefantenkuh, hat leider die Hälfte ihres Schwanzes nach einem Streit mit Anchali verloren, die sie dort gebissen hatte. Die Wunde infizierte sich und etwa die Hälfte des Schwanzes musste amputiert werden. Inzwischen ist alles gut verheilt, aber der kurze Stumpf sieht merkwürdig aus.

Pang Pha, Carla und Anchali

Pang Pha, Carla und Anchali  am 12.03.25

Drumbo befand sich vermutlich auf der Anlage, die sie lange Jahre mit Viktor geteilt hatte. Sein plötzlicher Tod Ende Januar nach einer Lungenentzündung liegt erst wenige Wochen zurück und ich schaffe es noch nicht, dorthin zu gehen. Sein Verlust schmerzt mich sehr und ich vermeide es nach Möglichkeit, in der Öffentlichkeit zu weinen…
Nach Viktors Tod kommen auch regelmäßig, allerdings zeitlich begrenzt, alle vier Elefantenkühe auf der großen Anlage zusammen, aber dann unter Aufsicht der Pfleger, weil irgendwelche Rangstreitigkeiten weiterhin befürchtet werden.

Viktor

c145a836-da24-4f99-977b-159f491b29f4.jpg, Viktor am 23.02.24

Am Steinbockfelsen gegenüber blühen schon die zart lila Azaleen. Zwei junge Böcke trugen eine Meinungsverschiedenheit mit weithin schallendem Aufeinanderkrachen ihrer Hörner aus. Frühling plus Hormone bringt die Männer, nicht nur im Tierreich, manchmal in Streitlaune…

Steinbock

Wir liefen um die Elefantenanlage herum, am Hühnerhaus vorbei; die modernen englischen Zwergkämpfer die ich mag, sind leider immer noch ohne Hahn; an der Giraffenanlage, wo wir den armen Mugambi bedauerten, der jetzt ohne seinen Kumpel, den kürzlich verstorbenen Max, auskommen muss und an den Sitatungas und ihrem Jungtier vorbei und betraten das Affenhaus.

Max

20230702_124914.jpg, Max

Apes, giraffes

Ich musste mich nach dem Tod von Mano, den ich sehr geliebt habe und schmerzlich vermisse, erst überwinden, wieder dort hinein zu gehen. Aber ich wollte unbedingt sehen, wie es Orang Utan Dame Bini geht und sie besuchen, bevor auch sie womöglich sang-und klanglos verschwunden ist…

Mano

Orang Utan Mano am 01.09.24, II

Orangutang

Bini und ihr Sohn Bulan sind jetzt zusammen, was vielleicht nicht optimal ist, da Bulan langsam erwachsen wird oder bereits ist, was ich aber trotzdem begrüße. Sie beide jetzt allein zu halten, wäre Tierquälerei! Sie schienen innig verbunden, hatten fast immer Körperkontakt, schmusten und kletterten zusammen und besonders Bulan wirkte sehr viel glücklicher, als in den vergangenen Jahren seit der Trennung von seiner Familie.

Bulan mit neuem Jutesack

Bulan mit neuem Jutesack am 12.03.25.jpg, II

Während wir kurz bei den Gorillas nach Klein Tilla schauten, die durch das Gehege tobte und ihren Papa Sango ärgerte, was er aber geduldig tolerierte, bekam Bulan zwei nigelnagelneue Jutesäcke von einem Pfleger, was offenbar genau das Richtige für ihn war. Er fing sofort an, auf der linken Seite des Geheges Holzwolle in einen Sack zu stopfen, wechselte auf die andere Seite und kippte das Ganze wieder aus.

Sango

Gorilla Sango  am 12.03.25

Bini, der die Anhänglichkeit ihres Sohnes vielleicht manchmal zu viel wird, kletterte und turnte derweil alleine oben herum. Nachdem Bulan die Holzwolle zu seiner Zufriedenheit von A nach B befördert hatte, gesellte er sich wieder zu ihr. Manchmal wirkt er auf mich fast wie ein eifersüchtiger Bewacher seiner Mutter.

Bini Bulan

Gorilla Grand Dame Fatou, die inzwischen recht schwerfällig läuft, setzte sich derweil links vor das Gitter zum Nebengehege und schien zu lauschen. Vermutlich hatte sie den Pfleger gehört und hoffte auf ihren Mittagssnack. Als nichts weiter passierte, kam sie zurück und legte sich wieder entspannt auf den Rücken hinter die Scheibe und beobachtete ihre Besucher. Sie hat außer mir noch viele Bewunderer!

Fatou hinter der Scheibe am 12.03.25

Fatou wartet auf Mittagssnack

Fatou wartet auf Mittagssnack  am 12.03.25

Wir liefen durch das Affenhaus und passierten viele spärlich besetzte bzw. leere Gehege im Tropenhaus. Dort leben jetzt nur noch die Kapuziner, die Eulenkopfmeerkatzen mit ihren drei Kindern, Kaspar, der Kappengibbon, die Klammeraffen, Totenkopfäffchen, Hulmans und die Sumpfspringäffchen. Es fehlen u.a. die Hutaffen, die nach Dänemark gezogen sind und verschiedene kleinere Äffchen wie die Lisztäffchen und verschiedene Tamarine. Auf der linken Seite im hinteren Teil sind all Gehege unbesetzt, Hier wurden neue Klettermöglichkeiten in Form von Baumstämmen und großen Ästen hinein gebracht.

Totenkopfäffchen mit Baby

Totenkopfäffchen mit Baby am 12.03.25, I

Klammeraffen

Klammeraffen am 12.03.25

Bei den Eulenkopfmeerkatzen blieben wir stehen, weil das Jüngste, noch ein Baby, angefangen hat, allein und ohne Mama herumzuklettern. Diese lässt es inzwischen immer länger zu.

Eulenkopfmeerkatz

Die hübschen Totenkopfäffchen haben gleich drei süße Kinder, die von ihren Müttern noch auf dem Rücken getragen werden und entzückten besonders die kleinen Bes ucher, die mit ihren Müttern und Omas vor der Scheibe standen. Die Klammeraffen saßen auf hoch angebrachten Podesten herum und hoben nur manchmal ihre Köpfe.

Wir verließen das Haus. Draußen konnte ich einen der Pfleger fragen, warum einige Bonobos so viele kahle Stellen im Fell haben. Er erklärte, dass es sich nicht, wie von mir vermutet, um eine Erkrankung handele, sondern dass sie es beim Lausen übertreiben und die Haare ausrupfen würden.

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