Django, der Überlebenskünstler – Teil 1

3.9.2026 von Britta-Gudrun

Den besonderen Umständen unseres Zusammenlebens ist es zuzuschreiben, dass ich mich von Django im Laufe seines bewegten Katerlebens als Streunerkatze dreimal verabschiedet habe, nach unserem Kennenlernen im August 2010. Wobei nicht ich ihn gesucht habe, sondern er mich, und auch das ist wiederum typisch für Streunerkatzen.
Update August 2026 und Fortsetzung nach dem 1. Farewell im Juli 2021.

Die Geschichte von Django war hier keineswegs zu Ende, denn oh Wunder, nur wenige Tage nach der Farewell-Geschichte mit dem vermeintlichen, endgültigen Abschied von Django tauchte er nach sechs Wochen Abwesenheit am dritten August wieder in der Wohnung auf, ganz so als sei nichts gewesen! Er war zwar etwas mager, alle seine unteren kleinen Vorderzähne fehlten, aus welchem Grund auch immer, und die Zahnleiste war noch etwas gerötet, ansonsten sah er gut aus und auch sein Fell hatte er gepflegt. Ich war überglücklich!

Der geneigte Leser fragt sich natürlich: Wo war Django so lange und wer hat ihn ernährt? Nun, jeder Katzenbesitzer weiß, dass sich Katzen, insbesondere Freigänger, immer noch mindestens eine Option zur Futteraufnahme irgendwo in der Nachbarschaft offenhalten und nicht nur, weil es oftmals woanders besondere Leckereien gibt, sondern aus reinem Pragmatismus. Manchmal erfährt man rein zufällig die Ersatzfutterstelle, aber meistens nicht und wundert sich nebenbei über den gelegentlichen geringen Appetit seines fellnasigen Kostgängers.

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Natürlich hatte ich noch genügend Futtervorräte im Haus – man hofft ja immer auf ein kleines Wunder. Jedoch hatte ich bereits einer Nachbarin mit drei Katzen angekündigt, dass ich ihr jetzt nach so vielen Wochen ohne Django die Futtervorräte verschenken wolle. Diese drei Katzen waren übrigens Djangos Freundinnen, denen er oft seine Aufwartung machte. Auch sie waren kastriert, also eine Liaison ohne Folgen, wobei das Interesse eher einseitig von ihm kam, denn diese drei Katzenmädchen hatten ein ganz besonders enges Verhältnis zueinander.

In der folgenden Zeit passte ich besonders auf, wie lange er außer Haus war und vor allem, dass er genügend aß. Natürlich wurde er neben dem normalen Katzenfutter weiterhin mit seinen Lieblingsspeisen wie Lachs, gegrillten oder gekochten Hähnchenschenkeln und Thunfisch verwöhnt. Auch ein bisschen Dönerfleisch, ein Stückchen Pizza mit Käse oder ein Klecks Sprühsahne erweiterten jetzt seinen Speiseplan. Manchmal rief ich einfach nur so zum Spaß am Fenster heraus: „Django, essen kommen!” Aber jeder Katzenhalter weiß: Katzen folgen nicht aufs Wort – sie hören zwar die Botschaft, melden sich aber erst später!

So hatten wir noch über anderthalb Jahre eine gute Zeit miteinander und am liebsten verbrachten wir die gemeinsamen Abende auf dem Sofa liegend – Django dabei auf meinem Bauch ruhend. Auch war er ruhiger geworden und somit nicht mehr so oft in Revierkämpfe verwickelt, was uns die Pflege seiner Kampfspuren ersparte. Mittlerweile ließ er sich gerne in den Zeiten des Fellwechsels bürsten, welches sich im sich wechselnden Bereich leicht bräunlich verfärbte.

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Nach wie vor hasste er die Arbeiten des Gärtners beim Rasen- und Heckenschnitt. Auch die wöchentliche Putzhilfe oder die Lieferung des rollenden Mittagstischs veranlassten ihn immer noch, panisch nach draußen zu flüchten. Gerne hingegen mochte er die Abwärme meines Sauerstoffkonzentrators und machte es sich in dem warmen Luftstrom gemütlich oder hockte sich unter den Rollator. Wenn ich mit dem 10 m langen Sauerstoffkabel von einem ins andere Zimmer ging, spielte er damit katzenartig Fangen.

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Aber nicht nur Django war im Laufe der Jahre ein Opi-Kater geworden, auch ich bekam trotz der zusätzlichen Alltagshilfen immer mehr Probleme damit, meinen kleinen Haushalt zu bewältigen, und so war die Entscheidung für einen Umzug in ein Seniorenheim über kurz oder lang unausweichlich geworden. Dieser Gedanke hat mir viele schlaflose Nächte bereitet, einzig und allein wegen der Unterbringung und Versorgung meines freiheitsliebenden und bei Fremden so scheuen und unnahbaren Katers. Wegen seiner besonderen Ängstlichkeit war er unvermittelbar und deshalb kam auch die Unterbringung in ein Tierheim auf gar keinen Fall infrage. Eine Mitnahme ins Heim war nicht erlaubt und selbst wenn dem so gewesen wäre, würde es an seiner Transportunfähigkeit scheitern, weil er sich bekanntermaßen nicht hochheben und in eine Katzenbox setzen ließ.

Unverhofft kam das so oft zitierte Quäntchen Glück in Gestalt meines Hauskäufers Julian daher, der sogar aus der Nachbarschaft war und ihn übernehmen und ihm das „Wohnrecht“ mit seinem alten Schlafplatz im Keller einräumen und ihn auch füttern wollte. Dafür würde ich selbstverständlich die Futterkosten übernehmen. Mit anderen Worten: Django war auch finanziell abgesichert!

Unsere letzten drei gemeinsamen Monate waren mit ungewohnter Umtriebigkeit angefüllt, weil vermehrt Freundinnen kamen, um mir bei der Aussortierung und Entsorgung meiner Schrankinhalte behilflich zu sein und verwertbare Flohmarktartikel zusammenzustellen. Natürlich entgingen meinem scheuen Kater diese ungewohnten Aktivitäten in unserem kleinen, ruhigen und so beschaulichen Haushalt nicht, und so betrachtete er das Durcheinander von höherer Warte aus.

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Erstaunlicherweise gewöhnte er sich langsam an die Betriebsamkeit und huschte oftmals schnell an der stets offenstehenden Wohnzimmertür vorbei, um in der Küche an seinen Futternapf zu gehen. Die letzte Nacht durfte er ausnahmsweise mit mir im Schlafzimmer übernachten, was ihm vorher nicht erlaubt war, weil ich immer Angst hatte, er würde mich bei einer heftigen Bewegung im Schlaf kratzen. Die Sorge war unbegründet, ich habe sowieso kaum in dieser Nacht geschlafen!

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An unserem letzten gemeinsamen Vormittag kam Django zu mir aufs Sofa und als wenn er die bedeutungsvolle, letzte Stunde erahnt hätte, ließ er sich behaglich schnurrend auf meinem Bauch liegend streicheln und sein fast brummendes Schnurren vermischte sich mit meinem leisen Schluchzen, festgehalten in einem Abschiedsvideo. Als meine Umzugshelferinnen klingelten, sprang er schnell vom Sofa, nichts ahnend von unserem letzten gemeinsamen Augenblick. Ich beneide Tiere um ihre fehlende Zukunftsangst….

Ich habe mich später oft gefragt, wie mein Liebling meine Abwesenheit in den folgenden Tagen und Wochen empfunden hat: Suchte er nach mir, trauerte und vermisste er mich und die Gemütlichkeit?

Wir wissen nicht, was und wie Tiere denken, aber ihre Empfindungen wie Freude, Angst, Schmerz, Wohl- und Unbehagen sind wie unsere, das ist sicher. Das Wohlbehagen einer Katze beim Schnurren ist eindeutig mit dem freudigen Schwanzwedeln des Hundes vergleichbar. Mein Revier verteidigender Kater schnüffelte nach jedem Besuch sorgfältig das Sofa ab und kontrollierte auch meinen Geruch, wenn ich vom Einkaufen kam. Natürlich ist die Geruchskontrolle von Katzen viel dezenter und nicht so geräuschvoll wie bei Hunden. Wenn ich mir später die Fotos betrachtete, die mir meine Nachbarin geschickt hat, kam mir sein Blick oft traurig vor, aber vielleicht war es auch nur Einbildung….

Nun also musste mein unfreiwillig verlassener Kater lernen, das Futter von meiner Freundin Ilona anzunehmen, die etwa einen halben Kilometer weiter entfernt wohnte und täglich einmal zur Fütterung ins Haus kam. Auch diese Umstellung hat er sehr schnell gemeistert. Denn wie heißt es so treffend? „Hunger macht zutraulich!”. So ganz fremd war sie ihm durch ihre häufigen Hilfen bei der Haushaltsauflösung ja auch nicht wirklich. Zunächst fütterte sie ihn einige Wochen noch in der Küche und verlagerte später seine Futterstelle ganz in den Keller, wo auch sein alter Schlafplatz war. Diese Verlagerung sollte ihm den Übergang zum Futterservice mit dem neuen Hausbesitzer Julian nach dem Hauskauf erleichtern. Also auch tiefenpsychologische Überlegungen sollten meine „Mimose“ auf die bevorstehende, noch viel gravierendere Umstellung vorbereiten.

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9 Comments

  1. Auch Teil zwei Ist genauso berührend und interessant wie der Vorhergehende.Die Odyssee eines lieben Katerchens. 🥰💓
    Dankeschön auch dafür!

  2. Liebe Britta-Gudrun, liebe Mervi,
    Danke vielmals für die Fortsetzung dieser liebenswerten Django-Geschichte. Die Fotos sind goldig!

    Wie sagt man so schön: „Todgeglaubte leben länger“.
    Und da war er wieder da und wurde mit viel Liebe und reichlich Gourmetkost umsorgt. Herrlich! Auch die dann leider ungewollte Trennung von seinem Lieblingsmenschen hat er anscheinend bestens weggesteckt. Ein beeindruckender Kater, dein Django!
    Und nun geht es weiter …..

    Erneut grüße ich herzlich,
    Annemarie Berta

  3. Liebe Britta-Gudrun!
    Auch der zweite Teil nimmt einen auf wunderbare Weise mit und ich kann mir gut vorstellen, wie sehr Du Dich gefreut hat, ihn wiederzusehen, nachdem Du Dich wochenlang geängstigt und ihn schon betrauert hattest. Besonders berührend fand ich, dass er dann so zutraulich wurde, Deine Nähe suchte und vermehrt Streicheleinheiten zuließ. Ein Schatz! Danke, dass Du ihm auf einfühlsame Weise den Abschied erleichtert und den Übergang zu anderen Menschen, die ihn danach gefüttert haben, ermöglicht hast.
    Vielen Dank!

    Liebe Grüße
    Anke

  4. Liebe Britta-Gudrun!
    Wir hatten auch einen Kater, der viel unterwegs war. Ich kann Deine Sorgen gut verstehen.
    Hugs
    Ludmila

  5. Dear Britta Gudrun and Mervi
    Thank you for posting this account of how you and Django had to adapt to the challenges of growing old. All of us walk a similar road with our friends both human and animal.

  6. Wir haben im Laufe der Jahrzehnte einige Freilauf-Katzen
    verloren – um so schöner war es für dich, dass Django
    doch noch wieder auftauchte… 🙂

  7. Django ist wieder “aufgetaucht”, welch’ ein GLÜCK! Im Aussehen und Wesen, selbst in den Fellfarben etwas verändert, ja nahbarer geworden…Seine Anhänglichkeit und sein Vertrauen in das “Frauchen” seiner Wahl wurde belohnt, denn Britta-Gudrun und selbst das Schicksal haben dafür gesorgt, dass Django sein Zuhause nicht verloren hat und er in guten Händen bleiben konnte..Auch wenn dieser Abschied sehr ans Herz geht…🐈💝

  8. Wenn ich Djangos Fotos am Kellerfenster sitzend mit dem Blick in den Garten betrachte, denke ich auch daran, wie er sich gerne auf die frisch gebügelte Wäsche legte, die ich auf dem Tisch vor dem Fenster immer gebügelt habe. Katzen wissen sich immer sehr dekorativ und wärmend überall hinzsetzen!
    Anke, du hast Recht: Je älter Django wurde, umso mehr genoss er auch die Gemütlichkeit im Haus.

  9. Dear Britta-Gudrun,
    Also Bagheera loves the warm air of the oxygen device (you have the same as I do, well, after 3 others first, as you will remember). I have noticed that Django too is having “reddish” hair after Winter. Cats and freshly ironed laundry: it is a match made in Heaven, isn’t it!
    I still remember that time when Django got lost and how happy you were when he came back home. I also remember that you told us that he slept with you that last night in your house. According to me, he knew perfectly well what he was doing. It was his way to say THANK YOU.
    And when you moved to your senior care centre, it is more than sure that Django missed you and that he was sad.
    But you did what you could to create another good chapter in his life. You arrange for a dry and warm spot to sleep and for a well-filled plate.

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