Django, der Überlebenskünstler – Teil 2

6.9.2026 von Britta-Gudrun

Ilonas Fütterungsservice dauerte von April bis Ende Oktober und ihre täglichen, telefonischen „Hofberichterstattungen“ wurden zu einem festen Ritual. Meine Freundin war nicht wirklich katzenaffin, aber sie freute sich dennoch, wenn Django, den sie nun „Monsieur“ nannte, schon auf sie wartete und ihr gnädig eine „Audienz“ gewährte, wie sie es scherzhaft nannte.

Für diesen Fütterungsdienst war und bleibe ich Ilona immer unendlich dankbar, denn ihre beruhigenden Nachrichten linderten meinen Trennungsschmerz ein wenig. Ihre Hilfsbereitschaft ist auch deshalb besonders hoch zu loben, weil sie dafür wochen- und monatelang bei Hitze und schlechter Witterung täglich einen Kilometer weit zu Fuß gegangen ist. Auch die Fotos meiner direkten Nachbarin beruhigten mich und zeigten mal einen Kater beim Sonnenbad auf dem Trampolin ihrer Kinder, im Garten liegend und vor allem wohlgenährt!

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Der absolute Härtetest stand Django jedoch ab November mit dem neuen Hausbesitzer Julian bevor, der wegen geplanter Renovierungsmaßnahmen jedoch noch nicht im Haus wohnte. Hierzu hatten wir in weiser Voraussicht bereits im Oktober jeweils an den Wochenenden eine „Testfütterung“ durch ihn vereinbart, weil Django vorher immer besonders ängstlich bei Männern war. Die Gründe dafür dürften aus seiner früheren Zeit als Streuner auf schlechten Erfahrungen beruht haben.
Jedoch auch diese Hürde bewältigte mein tapferer Kämpfer und Julians positive Berichte über zunächst vorsichtige Annäherung und zunehmend wachsendes Vertrauen machten mich ebenfalls sehr glücklich. Seine Anpassungsfähigkeit an die neue Situation mit dem Futterservice erstaunte mich ebenso, wie seine Gewöhnung an den Lärm durch die Renovierungsarbeiten, mit denen es nun wirklich ungemütlich im Haus war.

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So verging fast ein ganzes Jahr, bis ich Anfang September von Julian erfuhr, dass Django schon seit Mitte August verschwunden war. Auch Nachfragen zu ihm in der Nachbarschaft blieben ergebnislos, obwohl er allseits sehr bekannt war. So befürchteten wir schon das Schlimmste, bis mir Mitte Oktober Ramona, eine weitere Freundin aus meinem ehemaligen Wohnort, eine Suchmeldung aus dem Internet schickte mit der Anfrage: Wer kennt diese Katze ? Sie sitzt bei mir (Straße und Hausnummer) oftmals auf der Terrasse und lugt durch die Glastür in meine Küche.

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Django im Internet! Was war geschehen? Was hatte ihn vertrieben? Plötzlich wohnungslos, auf der Flucht und vor allem sehr hungrig. Ach, mein armer Kater!
Es bleibt die Vermutung, dass ihn im Laufe der letzten Wochen doch der enorme Lärm durch die Renovierung und die vielen fremden Menschen im und ums Haus herum vertrieben haben, obwohl sich Julian weiterhin gut um seine Versorgung gekümmert hat.

Jedenfalls konnte ich aufgrund der genauen Ortsangabe die Dame ermitteln, die nur wenige Häuser weiter von meinem ehemaligen Haus wohnte und mir versicherte, dass sie ihn auch gerne füttern würde. Sie könnte ihn jedoch wegen ihrer Allergie nicht dauernd im Haus aufnehmen. Ein riesengroßer Stein fiel mir vom Herzen für dieses großzügige Angebot von einer Tierfreundin, die ich nicht einmal persönlich kannte und bestimmt auch nie kennenlernen würde. Nun teilte sich die neue Dosenöffnerin Brigitte mit ihrer Nachbarin die Sorge um den wohnungslosen Kater und das Futtergeld wurde sofort zu ihr umgeleitet.

Sie schickte öfter Fotos und stellte ihm sogar ein kleines Katzenhaus auf ihrer Terrasse auf, das er auch bewohnte. Die gemeinsame Fürsorge der beiden Damen gereichte Django wiederum zum Glück, denn Brigitte musste irgendwann nach einer OP für einige Wochen in die REHA. So wiederholte sich die gleiche Situation wie bei mir damals nach der OP: Immer ist eine hilfsbereite Tierfreundin für Django, meine schwarze Perle, da gewesen.

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Zur Ehrenrettung von Julian soll nicht unerwähnt bleiben, dass er nach dem Auftauchen des Katers bei Brigitte den Ausreißer wieder in sein Haus zurückholen wollte. Da dieser aber zu dem Zeitpunkt schon fast acht Wochen lang das Haus gemieden hatte und auch nicht mehr am bereitgestellten Futter war, fand er sich schließlich mit der Entscheidung des Katers ab. Ließ ihm aber bis weit in die folgenden Wintermonaten immer noch das Kellerfenster offen, falls sein treuloser Logiergast doch wieder den warmen Schlafplatz beziehen wolle. Was aber nicht geschah. Und so gilt an dieser Stelle mein ganz besonderer Dank auch Julian für die Versorgung von Django, dessen Vertrauen er trotz der erschwerenden Umstände gewinnen konnte!

Auf einigen Fotos im Frühjahr 2026 schien mein Katerchen schlanker geworden zu sein und auch sein dicker, prächtiger Kopf mit den für Kater so typisch dicken Bäckchen kam mir kleiner vor. Das Fell war nicht mehr so glänzend und etwas struppig. Nun ja, dachte ich, das ist altersbedingt oder durch den Fellwechsel. Und weil seine Dosenöffnerin Brigitte nichts von Appetitlosigkeit berichtet hatte, fragte ich nicht weiter nach der Ursache.

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Dann schreckte mich am 23. Juli die Nachricht von Brigitte mit einer Suchmeldung im Internet auf, die durch das Katzenhaus aus einem Nachbarort aufgegeben worden war. Ich setzte mich natürlich sofort mit der Einrichtung in Verbindung, denn aufgrund der Fundortangabe von meinem vormaligen Wohnort war es eindeutig Django, auch wenn ich ihn wegen seines abgemagerten Aussehens kaum wiedererkannt habe. Als ich das Video sah, konnte ich kaum glauben, dass er sich von völlig fremden Menschen streicheln ließ und vor allem: Wer hatte ihn gefunden und transportiert, ihn, der sich auch in den 13 Jahren bei mir nie hat hochheben lassen? Im Video hieß es, jemand habe ihn entkräftet in die Tierklinik gebracht, und so wurde er von dort anderntags im nur wenige Kilometer entfernten Katzenhaus abgegeben. Dort sollte für den Katzen-Opi ein neues Zuhause gefunden werden.

In der Tierklinik wurde übrigens festgestellt, dass Django gechipt aber nicht registriert worden war, sonst hätte man anhand dieser Registrierung auch nach über 20 Jahren noch seinen Erstbesitzer ermitteln können und damit seinen Lebensweg vor unser Begegnung. Die Tierklinik vermittelte mir freundlicherweise den Namen der Finderin, und es stellte sich heraus, dass es eine Anwohnerin aus meiner ehemaligen Wohnstraße war, die ich aber nur ganz flüchtig kannte, weil sie erst vor ein paar Jahren zugezogen war.

Was Melanie mir erzählte, passte zu meinem schlauen Überlebenskünstler! Denn sie berichtete, dass Django sich auch in ihrem Garten öfter als Kostgänger einstellte, sich wohlig in der Sonne auf ihrer Terrasse räkelte und freudig das angebotene Futter annahm und sich sogar streicheln ließ. Sie hätte ihn auch bei sich aufgenommen, wollte dies aber aufgrund seines fortgeschrittenen Alters mit ihren drei jungen, lebhaften Katzen nicht riskieren.

Warum Django sich neben der bisherigen Dosenöffnerin Brigitte nochmals eine weitere Futterstelle aussuchte, bleibt sein Geheimnis, denn Brigitte hatte mir zu keinem Zeitpunkt etwas über seine längere Abwesenheit oder eine gewisse Appetitlosigkeit berichtet. Aufgrund seiner zusehends schlechter gewordenen Verfassung beschloss Melanie jedoch, ihn zum Tierarzt zu bringen. Sie lockte ihn, ich konnte es kaum fassen, mit Futter in eine Katzentransportbox und brachte ihn in eine nahe gelegene Tierklinik, obwohl sie es sich mit dem örtlich praktizierenden Tierarzt hätte leichter machen können.

Ich kann in Worten nicht beschreiben, wie unendlich dankbar ich seiner Retterin Melanie bin, die ihm in seinen letzten Lebenstagen ein beschütztes Umfeld im Katzenhaus ermöglicht hat. Andernfalls wäre er bei der derzeit herrschenden Hitze irgendwo in der Natur geschwächt verdurstet, nachdem er scheinbar nicht mehr die 200 m zu Brigitte zurückgehen konnte.
Nur acht Tage nach seiner Ankunft im Katzenhaus erhielt ich die Nachricht, dass er über die Regenbogenbrücke gegangen war, nachdem eine besonders liebe Katzenfreundin namens Sabine, die dort als sogenannte „Katzenstreichlerin“ ihn tags zuvor noch liebevoll betreut hatte. Denn als Neuankömmling musste er noch einige Zeit in Quarantäne verbringen, bis er auf eine Pflegestelle hätte vermittelt werden können. Dazu ist es nun nicht mehr gekommen und er konnte in Ruhe und beschützt einschlafen – nach einem weit über zwanzig Jahre langen und bewegten Leben, in dem er mit seinem rauen Charme immer wieder tierliebende Menschen gefunden und erobert hat!

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Goodbye Django, du hast mein Leben auch nach unserer schicksalsbedingten Trennung in Atem gehalten, in der unsere Verbindung in deinen letzten drei Lebensjahren nie ganz abgerissen ist. Vor allem dank der lieben Menschen, die sich nach meinem unumgänglichen Umzug in ein Seniorenheim um dich gekümmert haben: ILONA, BRIGITTE, JULIAN und MELANIE.
Obwohl dies nun mein endgültiger Abschied ist, der mich mit großer Traurigkeit erfüllt, so brauche ich mir jetzt keine Sorgen mehr zu machen – um dich, mein liebes Katerchen mit deinem großen tapferen Herzen und deiner ganz besonderen Überlebenskunst.

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August 2026

9 Comments

  1. So eine bewegende Geschichte um das liebe und hübsche Katerchen Django,möge er nun in Frieden ruhen! 💓🥰

    • Dear Britta Gudrun and Mervi
      Thank you for the final part of Django’s story. Like Knut he reminds us how important animals are to all of us. We are strenghened and enriched by letting them into our lives

  2. Liebe Britta-Gudrun,
    auch Djangos letzte Etappen in seinem langen abenteuerlichen Leben wurden von dir mit viel Liebe begleitet. Dir bleiben nun die schönen Erinnerungen an deinen hübschen Kater, der sich dich einst als seine Freundin und Beschützerin auserkoren hat.
    Liebe Britta-Gudrun, liebe Mervi, ich danke euch für die insgesamt 3-teilige mit viel Herz erzählte Django-Story, die ich sehr gern gelesen habe.
    Viele Grüße von Annemarie

  3. Liebe Britta-Gudrun!
    Die letzten Jahre waren nicht einfach für Django. Gut,dass Melanie ihn gerettet hat.
    Hugs
    Ludmila

  4. Liebe Britta-Gudrun!
    Was für eine schöne und spannende Geschichte, auch wenn Django Dich (ILONA, BRIGITTE, JULIAN und MELANIE und uns) inzwischen verlassen hat und traurig zurück lässt… Aber Django hat sich nach einer Episode als Stubenkater für die Freiheit entschieden und es sein Leben lang geschafft, sie zu behalten und tierliebe Menschen für sich einzunehmen, die ihm dabei geholfen haben. Ein ganz besonderer Kater und ein besonders schlauer und charmanter dazu.
    Es ist sehr traurig, dass Django gestorben ist, aber es war so schön, dass er da war und so viel Liebe gegeben und empfangen hat.
    Danke, dass Du uns diese Geschichte so eindrucksvoll und anrührend erzählt hast!

    Liebe Grüße
    Anke

  5. Dear Mervi, thank you so much for your brilliant editorial work on Django’s story, which has resonated so deeply with so many people.
    Warm regards to you all, and thank you very much for your lovely comments!
    Britta-Gudrun

  6. These last years were certainly not easy, not for you and not for Django. But both of you were blessed because each episode, a friendly person came along to help.
    Given the fact that Django was about 20 years old, it is normal that he lost some weight and that his fur was a bit messed up. That he was eating so much can be related to a problem of the thyroid. But in his case, we will never know and he went in peace.

  7. Liebe Britta-Gudrun,
    was für ein bewegtes Katerleben und was für ein großer Kämpfer! Und so schön zu lesen, dass er immer wieder Menschen begegnet ist, die sich um ihn liebevoll gekümmert haben. Danke, dass Du Djangos bewegende Geschichte mit uns geteilt hast.
    Ganz liebe Grüße schickt Dir die Silberdistel. Alles Liebe für Dich.

  8. Django hatte viel Glück in seinem Leben,
    so viele nette Menschen zu finden, die
    sich in der einen oder anderen Weise
    um ihn gekümmert haben…

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