1.9.2026 von Britta Gudrun
Hallo, ihr kennt mich aus Mervis Knuipe, wo ab und zu außer über Bären und anderen Zootieren auch von Haustieren berichtet wird. Britta-Gudrun erzählte damals als Neuling in der Knuipe, wie lange sie sich um mein Vertrauen als scheuen Streuner bemüht hatte.
Hier war ich im Juli 2010 auf der Suche nach einem neuen Zuhause.
Woher ich kam, weiß außer mir keiner und ich habe es auch nie erzählt. Aufgrund meiner nicht mehr weißen Zähne wurde ich auf ca 10-12 Jahre geschätzt. Jedenfalls war ich ausgehungert, abgemagert und sehr struppig, als ich unverhofft öfters in diesem Garten nachts eine gefüllte Futterschale fand, die eigentlich für Igel gedacht war. Britta-Gudrun hat für alles ein offenes Auge und ein gutes Herz und so bekam ich nun regelmäßig Futter angeboten. Aber, ich habe es ihr nicht leicht gemacht. Dass ich an dieser Futterstelle gut versorgt wurde, sieht man an diesem Foto, denn es wurde erst ein Jahr später nach meiner Ankunft aufgenommen.
Vorher war ich viel zu scheu und fauchte angstvoll meine neue Dosenöffnerin an, obwohl sie mir doch nur die Futterschale hinstellen wollte. Ich hatte bis dahin bei Entdeckung eines Futterhappens schon oft schlechte Erfahrungen gemacht, weil ich meistens gleich verjagt wurde. Es gibt ja viele Leute, die nur Vögel lieben und Katzen hassen. Wochenlang wurde ich also im Garten gefüttert. Mal stand das Futter hier, mal da, je nachdem wo ich gerade auftauchte.
Die meiste Zeit sah mich meine Dosenöffnerin aber nur von hinten, denn scheu wie ich war, verschwand ich auch gleich wieder.
Dann oh Schreck, kam etwa nach vier Wochen eine andere Frau mit der Futterschale und ich wartete erst mal vorsichtig, bis sie weg war. Das ging einige Wochen so und der geneigte Leser in der Knuipe weiß, dass dieser neue Lieferdienst von einer lieben Nachbarin kam, weil meine Dosenöffnerin sich einer Operation mit anschließender REHA unterziehen musste und die Nachbarin meinen Futterservice in ihrem Auftrage erledigte, in der Hoffnung, dass ich ortstreu bleiben würde, bis sie zurückkäme.
Bei ihrer Rückkehr habe ich ihr dann auch sehr dezent meine Freude über das Wiedersehen gezeigt, indem ich auf sie zugegangen bin, was ich vorher noch nie getan habe.
Nun war es mittlerweile Oktober und meine noch humpelnde Dosenöffnerin mit ihrem neuen Hüftgelenk bot mir für kalte Tage und Nächte eine Futterstelle und einen molligen warmen Schlafplatz im Keller an, den ich hinter einem raffiniert getarnten Fenstergitter vorfand. Also quasi mein neues Zuhause undercover.
Den ersten Winter wohnte ich also des nachts im Keller oder in den „Katakomben“ wie mein neues Frauchen es nannte. Den Namen Django gab sie mir schon sehr früh, denn was passt besser zu einem einsamen Streuner und Kämpfer, der ich nun mal war? Oftmals stand sie im Winter frierend in einem dicken Mantel vor meinem erhöhten Schlaf- und Futterplatz und sprach beruhigend auf mich ein. In dieser Zeit erlaubte ich ihr auch nach einer angemessenen Weile, mir ab und zu ganz vorsichtig und zart meinen Kopf zu streicheln. Über mein etwas raues Schnurren, das mehr wie ein Brummen klang, war sie sehr glücklich, weil es doch unser schönstes Dankeschön an unsere Dosenöffner ist, nicht wahr?
Nur ihren Lockrufen nach oben in die Wohnung zu folgen habe ich eisern widerstanden, denn man weiß ja nie, was hinter der nächsten Türe ist und wird möglicherweise eingesperrt und ist dann gefangen. Das war meine einzige Bedingung: Kein geschlossenes Fenster und keine verschlossene Türe zwischen mir und meiner Freiheit!
Nach meinen täglichen Streifzügen durch mein nun noch größer gewordenes Revier lag ich gerne oft hier im Garten, besonders an heißen Sommertagen unter Sträuchern und Blumenstauden, also in meinem „Biergarten“ oder „Unter den Linden“ wie Mervi es witziger Weise nannte.
z. B. hier am Teich oder inkognito neben einer weißen Katzenstatue
Nach etwa einem Jahr unserer offenen (sehr offenen!) Beziehung – jeder kam und ging, wann er wollte, auch meine Dosenöffnerin – hat sie mich gezwungen oder besser gesagt überlistet und zwar mit einem Grillhähnchen. Diesem Duft konnte ich bei aller Zurückhaltung nicht widerstehen und bin ihr ganz vorsichtig in die Wohnung gefolgt, wo ich es dann verzehren durfte. Welch ein Genuss und es ist, das darf hier schon verraten werden, nicht mein letztes Hähnchen gewesen!
Bei schlechten Appetit z.B. wegen hormonbedingten Katzenjammers, gehörten oftmals gekochte Hähnchenschlegel, Lachs und Thunfisch zum besonderen Verwöhnprogramm meines Frauchens, die dann sagte: „Wer eine Katze hat, macht sich zum Affen“. Und, was soll ich euch sagen, ihr ahnt es schon, fortan blieb auch die Kellertüre zur Wohnung nach oben offen, sodass ich weiterhin ungehindert Tag und Nacht aus und ein gehen konnte, wie es sich für einen freiheitsliebenden Streuner gehört. Über den eiskalten Flur im Winter und verpuffte Heizungswärme decken wir an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens.
Nun begann das Dolce Vita für mich: mit kuscheligen und warmen Schlaf- und Liegeplätzen vor der Heizung oder auf dem Sofa, wo ich nach Herzenslust chillen konnte.
Es gab Geschenke, obwohl ich nicht wie „richtige“ Hauskatzen wirklich an Katzenspielzeug interessiert war. Ich spielte lieber mit raschelndem Laub, wenn meine Dosenöffnerin ihre Blumenbeete aufhübschte. Der Kühlschrank enthielt neben dem gewöhnlichen Katzenfutter allerhand Leckereien, was ich sehr genau wusste. So konnte ich immer gut gestärkt die Kontrolle meines Reviers vornehmen. Natürlich verliefen diese Kontrollen nicht ohne Revierkämpfe und nicht ohne Folgen und so sind meine vielen blutigen Schrammen und Verletzungen am Kopf, die ich mir vor allem wegen der holden kätzischen Anwohnerinnen im Frühjahr und im Sommer einhandelte, nicht ausgeblieben, wie man hier deutlich sehen kann.
Etwas Gutes gab es wohl in meinem Vorleben, denn ich war kastriert, wie meine Dosenöffnerin erleichtert nach meinen ersten Übernachtungen im Keller ohne stinkende Duftmarkierungen feststellen konnte, denn anders wäre ich unter den an anderer Stelle geschilderten Umständen nie in die Wohnung gekommen. Ich hatte auch keine Angst vor dem Waschmaschinen- und Staubsaugergeräusch, also habe ich vorher doch ein Zuhause gehabt. Wahrscheinlich sogar bei einer alten Dame, denn woher sollte meine Vorliebe für Gesottenes und Gebratenes sonst kommen, sinnierte mein Frauchen oftmals. Nun ja, auch ein Gourmet genießt und schweigt. Auch mein Liebesleben blieb wegen der Kastration ohne Folgen, was schon aus Tierschutzgründen sehr segensreich war.
Auch wenn es hier so aussehen mag, ein Schmusekater war ich nie. Aber an vielen abendlichen Stunden, vor allem im Winter während meiner hormonberuhigten Phase, habe ich gerne bei meinem Frauchen gemütlich und ausnahmsweise ganz nah auf ihrem Bauch gelegen und meinen dicken Katerkopf streicheln lassen. Meine herben Schnurr- und Brummgeräusche dazu mochte sie sehr gerne.
Wie ich schon sagte, ein Schmusekater wurde ich nie, aber Köpfenstreicheln und um ihre Beine gehen waren okay. Aber nie und nimmer hätte man mich auf den Arm nehmen können, Rücken berühren oder mich gar hochheben dürfen, das alles war ein absolutes Tabu. Das machte meinem Frauchen immer große Sorgen, weil sie mich wegen dieser Unnahbarkeit bei einer schweren Verletzung nie zum Tierarzt hätte bringen können, aber das konnte ich ihr ersparen, wenn auch auf eine für sie traurige Weise und aus n u r mir bekannten Gründen.
So vergingen die Jahre und wenn mein Frauchen ein paar Tage verreiste, übernahm eine liebe Nachbarin vorübergehend den Fütterungsdienst. Aber auch ihr gegenüber blieb ich scheu und zurückhaltend und wenn nur die Türklingel ertönte, war ich schnell wie der Blitz in Richtung Kellertüre zum Ausgang verschwunden.
Aber in diesem Frühjahr ließ mein Appetit sehr nach, der auch durch die besten Leckereien nicht mehr wirklich besser wurde. Manchmal war ich einige Tage nicht im Haus und schlief auch nur noch ganz selten in meinem Biergarten oder auf dem Sofa. Das beunruhigte mein Frauchen sehr. Wenn ich dann manchmal nachts außer im Keller auch in die Küche an meinen Futternapf kam, schlich ich mich danach meistens an der immer offenen Wohnzimmertüre vorbei, ohne MIAU zu sagen, schnell die Treppe herunter. Vorbei waren die Zeiten, in denen ich energisch den Kühlschrank nach besonderen Leckereien inspizierte.
Wegen dieser oftmals nur nächtlichen Besuche war meine Dosenöffnerin immerhin beruhigt, dass ich wenigstens ab und zu nach oben zum Essen kam und nicht ganz abmagerte. Aber dann erwischte sie zweimal nachts den frechen roten Kater namens Zorro aus der Nachbarschaft an meinem Napf in der Küche – eine bodenlose Frechheit, denn dass im Keller am Futternapf öfters mal fremde Kostgänger waren wussten wir beide schon lange. Es schien, als wenn mich die jungen Kater und Katzen aus der Nachbarschaft nicht mehr respektieren würden. Erst diese Beobachtung machte mein sonst so katzenerfahrenes Frauchen richtig stutzig und nachdenklich. Aufgrund ihrer Tagebucheintragungen war auch mein letzter Besuch bei ihr am 25. Juni notiert worden, an dem ich zwar etwas dünner aber unverletzt war.
Nachdem sie mich vier Wochen nicht mehr gesehen hatte, hat sie traurig und schmerzlich realisiert, dass ich mich ganz leise auf meinen Samtpfoten aus ihrem und unserem gemeinsamen Leben davon geschlichen habe, so wie ich mich vor 11 Jahren in ihr Herz geschlichen habe.
Lieber Django,
natürlich habe ich hoffnungsvoll Nachforschungen über dich in der Nachbarschaft und in meiner Wohngegend angestellt, aber vergebens, niemand wusste etwas über dein Verschwinden und dein ADIEU für immer, obwohl viele dich kannten.
Ich werde dich vermissen!
Deine prachtvollen Barthaare erinnern mich auch an Antje, die Walrossdame und das NDR-Maskottkottchen
Diese Ruhehaltung mit eingeschlagen Vorderpfötchen mochte ich ganz besonders gerne an dir!
Und an die Abmachung dich nur am Kopf zu streicheln und nicht unter dem Kinn zu kraulen, habe ich mich nach einigen sehr schmerzhaften Kratzattacken von dir wohlweislich gehalten.
Du warst kein Vogelfänger und die Erbeutung einer Maus habe ich nur ein einziges Mal bei dir erlebt. Selbst diese gehäkelte Spielzeugmaus von unserer gemeinsamen Katzenfreundin Monika mit ihrer von dir sehr so verehrten Mimmi, hast du, wie so oft auch die um dich am Vogelfutter pickenden Spatzen, unbeachtet gelassen.
Mein liebes Katerchen,
wo immer du dich auch zu deinem letzten Schlaf hingelegt haben magst, ich hoffe, dass dir ein sanftes, schnelles und schmerzloses Einschlafen über die Regenbogenbrücke geholfen hat und vergönnt war. Die Ungewissheit über deine letzten Lebenstage, wo und wie auch immer du sie krank oder verletzt verbracht hast, bekümmert mich sehr. Andererseits hast du mir die schwerste Entscheidung der Einschläferung bei einer unheilbaren Erkrankung abgenommen, die fast alle Tierfreunde irgendwann als letzten Liebesdienst für ihre Lieblinge treffen müssen.
Die meisten reinen Wohnungskatzen sterben an Altersschwäche, aber Freigängerkatzen, wie du es mit Leib und Seele warst, leben nun mal gefährlicher – das ist der Preis der Freiheit für eure Unabhängigkeit, die ihr jenseits des häuslichen Komforts ausleben wollt und auch dürfen solltet!
Es war schön und gut für mich, dich bei mir zu haben und umsorgen zu können. Nun bist du vor mir gegangen und ich brauche keine Sorge mehr zu haben, was aus dir als scheuen und deshalb unvermittelbaren Kater werden würde, wenn ich eines Tages…. na, du weißt schon.
Britta-Gudrun, im August 2021
PS. Diese schönen Fotos von Django verdanke ich einem sehr großzügigen Geschenk in Form einer Digitalkamera von meiner lieben Freundin Annemarie-Berta, die sich auch oft in langen Telefonaten meine Sorgen um den mal wieder verletzten oder appetitlosen Kater angehört hat. Damit gebührt auch ihr ein großer Anteil und mein Dankeschön in diesen Bericht.
Die Geschichte von Django ist noch nicht zu Ende. In zwei weiteren Geschichten in diesem Magazin, die in Kürze erscheinen, könnt ihr sein weiteres Leben verfolgen




















Das ist eine sehr berührende Geschichte eines sehr bewegten Katerlebens ,liebe Britta.Gudrun! Ich hatte den guten Django durch die Blogs auch lieb und werde ihn nicht vergesen.Sein schönes Leben bei dir und sein hoffentlich gutes Hinübergleiten ins Regenbogenland mögen dich doch bissel trösten,aber ich versteh dich gut!🤗
Adieu,guter Django 💓😘
Liebe Grüße von Brigitte
Liebe Britta-Gudrun!
Du hast nichts weniger als eine wunderbare Liebesgeschichte geschrieben! Ich habe sie mit großem Vergnügen gelesen, weil Du gefühlvoll und anschaulich beschrieben hast, wie sich dieser Schlingel und Verliebekater auf leisen Pfoten in Dein Herz geschlichen hat. Jeder, der ihn in dieser Geschichte kennenlernt, verliebt sich ebenfalls ein bisschen in ihn… Er war so ein Hübscher und der Name Django hat sehr gut zu ihm gepasst .
Dankeschön! Ich freue mich auf den zweiten Teil.
Liebe Grüße
Anke
Ja, mein liebes Katerchen, du hast mein Leben in Atem gehalten, wie die 2 Fortsetzungen noch zeigen werden.
Eine sehr berührende Geschichte, die zeigt, dass sich auch ein Kater, dessen Name für sein Wesen steht, mit Geduld und Respekt auf die Nähe zu einem Menschen einlassen kann… Auch wenn Django seine Freiheit letztendlich nie aufgegeben hat, hat er im Herzen von Britta- Gudrun einen festen Platz “für immer” gefunden…💖
Dear Britta Gudrun and Mervi
Thank you for posting the first part of Django’s story. The words and pictures are very moving.
Liebe Britta-Gudrun!
Du hast eine liebevolle Geschichte über Django geschrieben.
Hugs
Ludmila
Liebe Britta-Gudrun,
mit ganz viel Herz hast du uns von deinem Django erzählt, wie er sich auf leisen Samtpfötchen vor einiger Zeit in dein Leben geschlichen hat und immer zutraulicher wurde. Dieser liebenswerte Freigänger hat sich genau die Richtige zum Verwöhnen ausgesucht!
Eine tierisch süße Geschichte – mit viel Liebe und auch öfter einmal Sorge um einen ganz besonderen Kater.
♥️lichen Dank fürs Erzählen und Mervi ein großes Dankeschön fürs Veröffentlichen im KM. Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Liebe Grüße, Annemarie
Dear Britta-Gudrun,
What a wonderful story, looking forward to the next parts. When you told us in the Knuipe about Django, I could immediately visualize your story. I always liked these tuxedo’s with their white socks. Maybe, he was not able to speak our language and to explain you how grateful he was for your hospitality, but be assured, he was more than appreciating all this.
Liebe Britta-Gudrun!
Endlich komme ich dazu, deine wunderschöne Geschichte über Django zu lesen. Du hast seine Lebensgeschichte so berührend erzählt, dass ich nur schwer die Tränen zurück halten konnte.
Django hatte mit dir das große Los gezogen und ich bin sicher, du wirst ihn nie vergessen. 🐈⬛
Vielen Dank auch an Mervi für das Veröffentlichen deiner zauberhaften Geschichte. ❤️🐈⬛❤️
Liebe Britta, liebe Mervi
Schön, dass ihr diese zu
Herzen gehende Fotostory
nochmals präsentiert!♥️
Liebe Britta-Gudrun,
ich kenne Django ja aus Monikas Blögchen und habe nun voller Begeisterung die Lebensgeschichte Deines pelzigen Freundes gelesen. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Berichte von und um Django.
Einen ganz lieben Gruß von der Silberdistel
Ihr Lieben!
Ich danke euch ganz herzlich für eure berührenden Kommentare.
Britta-Gudrun